In der südlichen Maremma, dort, wo die Toskana rauer und ursprünglicher wird, hat sich ein deutscher Unternehmer einen Traum erfüllt. Georg Weber und seine Frau Julia gründeten das Weingut Monteverro mit einem kompromisslosen Anspruch: Weine zu schaffen, wie sie sie selbst trinken wollten. Heute entstehen hier große rote Cuvées und ein Chardonnay, der sämtliche Erwartungen an seine Herkunft auf den Kopf stellt.

Es ist also eine dieser vielen Geschichten, die beinahe zu schön klingen, um wahr zu sein. Die aber auch zeigen, dass es sich lohnt, seiner Leidenschaft zu folgen. Die Suche nach dem perfekten Wein aus eigener Hand führte Georg Weber nicht etwa ins Chianti Classico und auch nicht nach Montalcino – sie führte weit nach Süden, in die Maremma, in die Nähe von Capalbio, und nur wenige Kilometer vom Tyrrhenischen Meer entfernt.
Der Name Maremma leitet sich vom lateinischen mare (Meer) ab, er bezeichnet einen schmalen Streifen entlang der toskanischen Küste, der sich von Livorno durch die gesamte Provinz Grosseto bis an die Grenze zu Latium erstreckt. Früher waren die Niederungen der Maremma weitgehend versumpft; erst in den 1930er Jahren gelang die Trockenlegung. Das ist der Grund, warum die Weinbautradition hier noch recht jung ist; wirkliche Qualität entstand erst ab den 1970er Jahren – zum Beispiel mit dem berühmten Sassicaia.


Hier ist die Toskana weniger Postkartenidyll als andernorts. Macchia, Felsen und mediterrane Vegetation prägen die Landschaft. Das Meer ist allgegenwärtig, manchmal sichtbar, aber fast immer spürbar. Und alles wirkt etwas wilder als im kultivierten Herzen der Toskana.
Monteverro – ein Weingut ohne Folklore
Monteverro wirkt wie der Gegenentwurf zu jener romantischen Vorstellung eines toskanischen Weinguts, bei dem Tradition allein bereits als Qualitätsversprechen gelten soll. Hier ging es von Beginn an darum, die Möglichkeiten eines außergewöhnlichen Terroirs möglichst präzise auszuschöpfen.


Das mediterrane Klima, die erwähnte Nähe zum Meer und die steinigen Böden bieten dafür besondere Voraussetzungen. Gleichzeitig orientierte sich Monteverro stilistisch nicht ausschließlich an der unmittelbaren Umgebung. Gerade bei den großen Rotweinen ist die gedankliche Nähe zu Bordeaux unverkennbar: Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Merlot und Petit Verdot spielen eine wichtige Rolle.
Georg und Julia Weber wollten ursprünglich Weine erzeugen, die ihren eigenen Ansprüchen genügen. Daraus ist etwas Interessanteres entstanden: ein Weingut mit einer ausgesprochen eigenständigen Vorstellung davon, wie die südliche Toskana schmecken kann.


Daraus entstehen konzentrierte Cuvées, die die Wärme der südlichen Toskana nicht verleugnen, ihr aber eine angenehme Frische und eine solide Struktur entgegensetzen. Monteverro gehört erfreulicherweise zu jener Generation italienischer Weingüter, die Herkunft nicht als stilistische Grenze begreifen.
Ein Chardonnay, den man hier nicht erwartet
Bei unserem Tasting vor Ort wartete allerdings die größte Überraschung im Glas nicht in Rot, sondern in Weiß. Ein reinsortiger Chardonnay aus der südlichen Toskana klingt zunächst nicht unbedingt nach dem Wein, für den man nach Capalbio reisen würde. Und doch liegt genau darin der Reiz! Wer angesichts der südlichen Lage einen üppigen, sonnenverwöhnten Chardonnay mit viel Frucht, Vanille und deutlich wahrnehmbarem Holz erwartet, erlebt also eine Überraschung.

Schon die Nase wirkt erstaunlich zurückhaltend. Das Holz drängt sich nicht in den Vordergrund, sondern bleibt Teil der Architektur des Weines. Am Gaumen kommt dann jene Eigenschaft hinzu, die diesen Chardonnay so ungewöhnlich macht: eine salzige Mineralität, die ihm Kontur und Länge verleiht. Oder anders gesagt: Der Wein besitzt Substanz, ohne schwer zu werden. Blind verkostet würde man seine Herkunft womöglich weiter nördlich suchen, gedanklich sogar bei den großen französischen Chardonnay-Klassikern aus dem Burgund. Monteverro verfolgt letztlich eine ähnliche Idee: weniger vordergründige Frucht, mehr Struktur, Mineralität und Länge. Und so schmeckt ihr Chardonnay nicht nach einer Rebsorte, die man möglichst eindrucksvoll inszeniert hat, sondern nach dem gelungenen Versuch, möglichst viel Spannung aus ihr herauszuholen.
Luxus bedeutet hier Konsequenz
Vielleicht liegt darin überhaupt das Interessanteste an Monteverro: Dass hier kompromissloser Anspruch und Wagemut eine Symbiose eingehen, die begeistert. Aus der Idee, Weine nach den eigenen Vorstellungen und Wünschen zu bauen, ist letztlich ein außergewöhnliches Projekt entstanden. Eines, das Wert legt auf eine schonende Herstellung und den natürlichen Produkten Respekt zollt.



Das beginnt schon bei der Lese: Die Trauben werden ausschließlich per Hand und meist in den kühleren Morgenstunden geerntet. Weil sich die Bedingungen im Weinberg schon auf wenigen Metern ändern können, unterteilt man die Lagen zur Lese in Mikroparzellen, die je nach Reifegrad der Früchte zu unterschiedlichen Zeiten gelesen werden. Die Trauben werden in kleinen Kisten transportiert und am Eingang zum Keller auf zwei Förderbändern nochmals von Hand selektiert.



Besonders die großen roten Cuvées wie der Spitzenwein Monteverro oder Tinata sind Weine, die sich entwickeln dürfen, wenn man denn mag: Flaschen für einen Keller und nicht nur für den nächsten Abend.



Am besten trinkt man den Chardonnay übrigens kühl eingeschenkt, und lässt ihm ein wenig Zeit im Glas, um ihn dann in seiner ganzen Vollendung zu genießen. So viel Genuss hat seinen Preis (ca. 99 Euro), auch weil von ihm gerade mal 5.000 Flaschen hergestellt werden. Eine schöne, gleichwohl preisgünstigere Alternative (ca. 16 Euro) ist der herrlich leichte Vermentino, der ausschließlich in Stahltank ausgebaut wird.

Und so versteht man am Ende, wenn man durch die Gegend um das unaufgeregte Bergdorf Capalbio fährt, wo sich heute vor allem wohlhabende Römer zur Sommerfrische treffen, warum dieser Ort perfekt zu Monteverro passt. Alles ist authentisch, unaufgeregt, eine Klasse für sich. Wir wollen nicht allzu viel verraten, aber egal ob Restaurants, Strände oder eben auch Weine – hier gibt es definitiv noch eine Menge zu entdecken!

www.monteverro.com