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„A War“- Ein Feldwebel im Interview

Ich bin ein großer Fan des dänischen Kinos, weil es so unmittelbar und bewegend menschliche Dramen erzählt. So wie der Kriegsfilm „A War“ von Tobias Lindholm über einen Kommandanten, der beim Auslandseinsatz in Afghanistan unter Beschuss gerät und eine folgenreiche Entscheidung trifft.

Dänische Soldaten in Afghanistan - davon handelt A WAR

Dänische Soldaten in Afghanistan – davon handelt A WAR

Zuhause muss sich der Familienvater vor Gericht verantworten, weil bei dem Einsatz Zivilisten getötet wurden. Ein langer Prozess beginnt um die Frage, wie weit man im Kampf gegen den Terrorismus gehen darf.

Szenen eines Krieges: Nach einem Taliban-Angriff versucht Kommandant Claus Michael Pedersen einen verletzten Kameraden aus der Schusslinie.

Szene aus dem bewegenden Anti-Kriegsfilm „A War“

In diesem Zusammenhang haben wir mit dem Berliner Berufssoldaten Philipp Hoffmann (39) gesprochen, der selbst mehrmals in Afghanistan war und als Pressefeldwebel die Journalisten durchs Land führt.

Hoffmann in Afghanistan

Hoffmann in Afghanistan

Sie waren schon dreimal in Afghanistan, wird es ein weiteres Mal geben? – Also wenn mein Chef das verlangt, dann werde ich wieder hin, klar. Das ist ja mein Job und dafür habe ich mich entschieden. 

Kalkuliert man bei solchen Einsätzen den eigenen Tod mit ein?Wenn ich das Camp verlasse und draußen unterwegs bin, kann natürlich was passieren. Es kann zum Beispiel sein, dass unser Konvoi angegriffen oder angesprengt wird. Aber ich bin da draußen nicht alleine, ich bin gut ausgebildet und gehe eigentlich nicht mit dem Gedanken raus, das könnte der letzte Einsatz sein. Es gibt natürlich dieses Risiko, aber das gehört zu unserem Beruf. 

Ist die Bedrohung immer präsent und wie geht man damit um?Im April letzten Jahres hat in das Camp eine Rakete eingeschlagen, es ist niemand verletzt worden, zum Glück. Aber da wurde uns klar, wenn diese Rakete weiter geflogen wäre, dann hätte sie uns treffen können. Ich bin damals nicht in Panik geraten, aber man denkt da schon: Kommen jetzt noch mehr Raketen? Da wird einem schon klar, dass das kein Urlaub ist, sag‘ ich mal.  

Ihre Familie wird von diesen Auslandseinsätzen nicht begeistert sein, oder?Nein, begeistert kann man nicht sagen. Zumal ich auch immer mindestens vier Monate weg bin.

Haben Sie jemals den Sinn des Auslandeinsatzes hinterfragt?Es ist mein Job, den Sinn solcher Missionen der Öffentlichkeit zu erklären, insofern stelle ich mir diese Frage nicht. Feststeht, wenn wir uns jetzt zurückziehen, dann war alles umsonst und das Land fällt wieder zurück in die Vergangenheit. Deshalb ist es wichtig, dass wir da sind, um die afghanische Armee im Kampf gegen die Taliban zu unterstützen. 

Wie wird man als deutscher Soldat in Afghanistan wahrgenommen? – Die Leute sind uns gegenüber sehr offen, die Afghanen sind ja sehr kommunikativ und gastfreundlich. Außerdem ist ihnen sehr wohl bewusst, dass wir ihnen dabei helfen, Frieden und Freiheit zu erlangen.

Wie stehen Sie zu Afghanistan?Es ist ein sehr schönes, sehr fremdes Land, aber ich könnte mir nicht vorstellen, dort zu leben, weil das ein ganz anderes Leben ist. Die Traditionen sind so unterschiedlich im Vergleich zu unserem westlichen Leben, das wäre nichts für mich. In den Städten stinkt es auch fürchterlich, da gibt es Smog, das ist schon was anders als unser Lebensstandard.

Was genießen Sie am meisten, wenn Sie wieder daheim sind?Na, dass man endlich wieder normale Zivilkleidung tragen und die Hände in die Hosentaschen stecken kann und eben nicht an der Waffe haben muss. 

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Photo By: Privat, Studiocanal

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